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Stillen

Landauf und landab werden die Vorzüge des Stillens gepriesen.

,,Und fürwahr, dem ist auch so!“: Muttermilch enthält eine Vielzahl an Substanzen, die die Entwicklung des Kindes fördern und größtenteils nicht reproduzierbar sind.

Nur ganz so eindeutig ist die Situation leider doch nicht.
In der Muttermilch sind auch Schadstoffe enthalten.
Der Bund veröffentlichte eine Broschüre mit dem Titel: „Über 300 Schadstoffe in der Muttermilch.
Zeit für eine neue Chemikalienpolitik.“ Wie diese Substanzen sich auswirken, ist unklar.

Eine Untersuchung vom Juni 2015 legt den Nachweis vor, das Glyphosat, ein Pflanzenschutzmittel, in Muttermilch gefunden wurde.

Stillen als Allergieprävention:
Ein weiteres Beispiel ist die Debatte, ob das Stillen vor Allergien schützt. Neben den zahlreichen Studien, die einen Vorteil des Stillens belegen, gibt es auch Ergebnisse, die dies bezweifeln lassen.
Ein paar Funde:

Stillen erhöht Risiko für Nuss-Allergie:

Bei Kindern, die in den ersten sechs Monaten nur gestillt wurden, ist laut einer australischen Studie das Risiko für eine Nuss-Allergie eineinhalb Mal höher als bei Kindern, die schon früher andere Nahrung und Flüssigkeiten erhielten. Schon bisher hätten zahlreiche Studien auf diesen Zusammenhang hingewiesen, so Studienleiter Marjan Kljakovic.
APA/International Journal of Pediatrics, veröffentlicht ÖÄZ 15/16 – 15.08.2012 (Österreichische Ärztezeitung)
neu & aktuell: Medizinische Kurzmeldungen (15.08.2012)

Schützt Stillen doch nicht vor Allergien?
1. MONTREAL (ikr). Stillen schützt Kinder entgegen der bisherigen Annahme offenbar nicht vor Allergien und Asthma. Das hat eine kanadische Studie ergeben.
Eine Arbeitsgruppe um Dr. Michael S. Kramer aus Montreal hat die Kinder von mehr als 17 000 Müttern im Alter von im Mittel sechs Jahren untersucht (BMJ Online). Der Hälfte der Mütter wurde zu Studienbeginn dringend empfohlen, ihr Kind möglichst lange und ausschließlich zu stillen.
Die andere Hälfte erhielt als Kontrollgruppe die übliche Beratung. Das führte dazu, dass in der Gruppe mit intensiver Beratung wesentlich mehr Frauen stillten: 44 Prozent von ihnen stillten in den ersten drei Monaten voll, aber nur sechs Prozent aus der Kontrollgruppe. Allerdings hatten die gestillten Kinder nicht weniger allergische Symptome und nicht seltener positive Prick-Testergebnisse als die Kinder der Kontrollgruppe.

Ärzte Zeitung, 21.09.2007

Die Fachwelt geht fast einheitlich davon aus, dass die Vorteile des Stillens gegen mögliche Nachteile überwiegen und empfiehlt ausschließliches Stillen über 4 Monate (teilweise werden noch 6 Monate benannt, dafür sind die wissenschaftlichen Hinweise sehr dürftig).
Meiner Meinung nach ist das „wie“ des Stillens hier entscheidend: Wenn alles klappt, das Kind gedeiht, die Mutter hat keine Schmerzen, der zeitliche Aufwand ist mit dem Familienleben zu vereinbaren u.s.w. ist eine Stillzeit über die ersten Monate durchaus vorteilhaft.
Ist das Stillen jedoch geprägt von Schmerzen, und Stress, eventuell sogar einhergehend mit einem mangelnden Sättigungsgefühl des Kindes, muss jede/jeder entscheiden, wie viel Leid sie sich und dem Kinde zumuten will.
Die Zuneigung und Fürsorge zu einem Kind drückt sich nicht darin aus, auf jeden Fall durchgehalten zu haben. Vielmehr ist der Respekt vor dem Befinden des Kindes Ausdruck der Annahme und Zuneigung zu dem Kind. Auch der Respekt vor den eigenen auch physischen Grenzen fördert einen sensiblen Umgang mit dem Kind.
Was mich bei der ganzen Debatte mehr als irritiert ist der Druck, der auf Familien ausgeübt wird. Der Stillerfolg als Gradmesser der mütterlichen Kompetenz.

Das denke offensichtlich nicht nur ich.
Falls sie das Thema interessiert: hier ein Artikel zu diesem Blickwinkel.
http://www.zeit.de/2012/18/Mutter-Baby-Stillen/komplettansicht

 

http://nuckelchen.de/